Hauptsache die Show ist gut

greta rothschild

Greta Thunberg hatte angekündigt, mit einer Rennyacht möglichst klimaneutral zum Gipfel nach New York reisen zu wollen. Doch jetzt wird bekannt, wie das Boot zurückkommen soll. Damit ist die ursprüngliche CO2-Rechnung obsolet.

Kaum ist Greta Thunberg mit der Segelyacht „Malizia II“ auf dem Atlantik unterwegs, beginnen die Schwierigkeiten: Das Boot muss schlechtem Wetter ausweichen und läuft Richtung Azoren ab, befindet sich aktuell vor der französischen Küste anstatt auf Westkurs.

Und auf dem europäischen Festland zieht ebenfalls ein Sturm auf – allerdings ein medialer. Einen Tag nachdem die Yacht den Hafen verlassen hat, bekennt der Pressesprecher von Skipper Boris Herrmann Farbe: Der „taz“ sagte er, dass vermutlich fünf Profis des „Team Malizia“-Segelprojekts nach New York fliegen würden, um das Boot dort in Empfang zu nehmen und anschließend zurück nach Europa zu segeln. „Natürlich fliegen die da rüber, geht ja gar nicht anders“, sagte Andreas Kling. Die „Malizia II“ ist als reines Offshore-Rennboot im Hafen extrem schlecht zu manövrieren und muss nach einem Törn aufwendig gewartet und neu mit Proviant versorgt werden.

Auch Herrmann selbst wird den Flieger zurücknehmen. Gretas Trip löst also mindestens sechs Flüge über den Atlantik aus. WELT hatte bereits gestern auf mehreren Wegen versucht, Thunbergs Sprecher sowie das Segelteam zu erreichen, jedoch keine Antwort auf die Fragen zur Rückreise der Segelprofis und der Yacht bekommen.

So oder so ergeben sich insgesamt mindestens sieben Flüge. Wären Greta und ihr Vater einfach selbst nach New York geflogen, wären es vier gewesen – unabhängig von etwaigen Ausgleichszahlungen. Die genaue Aufrechnung mag kleinlich erscheinen, doch sie wird von Thunberg vorgegeben, die zur Vermeidung eines einzigen Hin- und Rückflugs mit großem Effekt das Renn-Boot aufgerufen hat.

Die Pressesprecherin verrät weiter, dass Greta ursprünglich mit dem ungleich größeren Segelfrachter „Tres Hombres“ den Atlantik queren wollte. Doch dessen Rederei vermeidet die Reise aufgrund der Hurrikan-Gefahr im Spätsommer.

Laut Herrmann hat Thunberg zwar die „sauberste, umweltschonendste Möglichkeit“ für den Atlantik-Trip gewählt. Doch damit ist es in dem Fall eben leider nicht getan. Allein der Rummel rund um ihre Abreise hat sicher mehr CO2 verursacht als ein einfacher Flug. Dutzende Freiwillige, Journalisten und PR-Experten waren zum Hafen in Plymouth gepilgert – und sicherlich nicht die komplette Strecke gelaufen.

In New York winkt nun ein erneuter Medienrummel, bevor Herrmann sein Boot den eingeflogenen Helfern übergibt und selbst in den Flieger zurück nach Hause steigt. Die Klimaaktivistin erreicht mit ihrer Reise in der Rennyacht sicherlich mehr Aufmerksamkeit für ihr Projekt, als wenn sie einfach einen Frachter genommen hätte. Doch die Botschaft ist fatal: Hauptsache die Show ist gut!

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